Kulinarik
Echte Frauenpower in der Küche
Ehrlich, tiefgründig, regional – so definiert Sterneköchin Cornelia Fischer ihre Küche. Mit neuen Ideen und ihrer weltoffenen Art revolutioniert sie die moderne Haute Cuisine, nicht nur am Tegernsee.
Text: Susanne Mayr-Flach, Fotos: Jörg Lehmann, Wolfgang Stahr, Studio 49, Frederik Dulay

Cornelia Fischer – inspirierende Chefköchin im Restaurant Überfahrt
Seit knapp eineinhalb Jahren ist Cornelia Fischer Küchenchefin im Restaurant Überfahrt im Althoff Seehotel Überfahrt. Ihre innovative Art zu kochen und eine moderne Küche zu führen haben ihr nicht nur einen Stern eingebracht, sondern jede Menge Respekt in der doch immer noch männerdominierten Branche. Sie gilt als eine der vielversprechendsten Köchinnen Deutschlands und Kritiker, Kenner und Gourmets prophezeien ihr noch mehr Sterne. Nach Stationen im Tigerpalast in Frankfurt, im Schloss Schauenstein in der Schweiz und im Hotel Zur Schwane in Volkach ist sie jetzt wieder am Tegernsee angekommen – übrigens nicht zum ersten Mal, denn auch schon unter Christian Jürgens arbeitete sie vor Jahren hier. Nach langer Überlegung fühlte es sich für sie „brutal gut“ an, die Position der Küchenchefin zu übernehmen, gemeinsam mit einem neuen Team, das wie sie die Sterneküche neu denkt.

Kein Detail ist Zufall
Qualität ist alles
Schon als Kind spielte gutes Essen für sie eine große Rolle. „Dabei geht es auch nicht nur um das Essen selbst, sondern vor allem auch um die Geselligkeit“ so Fischer, „egal ob Sterneküche oder Hausmannskost.“ Für ihr Team gibt es deshalb auch einmal im Monat ihr Leibgericht: Grobe fränkische Bratwurst. „Aber natürlich eine richtig gute von meinem Metzger“, lacht die sympathische 41-jährige. „Denn es kommt immer auf die Qualität an.“ Damit diese auch in ihrer Küche perfekt stimmt, übernimmt sie den Einkauf selbst. „Ich versuche so viel wie möglich Lokales zu verwenden und lange Lieferketten zu vermeiden“, so die Sterneköchin. „Natürlich gibt es ebenso internationale Spezialitäten, kombiniert mit heimischen Produkten“. Ihre Küche beschreibt sie „regionale Verbundenheit mit Blick in die Welt.“ Und so baut sie mittlerweile auch selbst Gemüse an, kauft nachhaltige Lebensmittel und besucht regelmäßig ihre Lieferanten. „Die Menschen, vom Fischhändler bis zum Gemüsebauern, mit denen ich zusammenarbeite, sind alle auch mit voller Leidenschaft dabei, das inspiriert mich“, freut sich die Spitzenköchin.

Das Restaurant-Überfahrt-Team: Felix Groetsch, Cornelia Fischer,
Marvin Herbert und Timo Beck
Wertschätzung für jedes Lebensmittel
Wenn sie zum Beispiel bei Hannah und Fritz in Waakirchen ihr Gemüse frisch vom Feld holt, kommen ihr oft neue Ideen. „Auch die Natur inspiriert mich ganz maßgeblich zu meinen Gerichten“, erzählt Fischer. „Zum Beispiel habe ich letztens wunderbare Kohlrabis geholt, die dann zum Hauptakteur wurden.“ Die gesamte Knolle gab es dann in mehreren Geschmacksvarianten auf dem Teller: „Zum einen entsafte ich den Kohlrabi und koche die Sauce daraus. Zum anderen grille ich den Kohlrabi im Ganzen mit der Schale über Holzkohle. Selbst die Blätter werden verarbeitet, zu Chips“ erklärt die Küchenchefin. Auch wurde zum Beispiel der Fisch des Jahres 2025, der Huchen in Kombination mit besonders auffällig gewachsenen Rote Beete serviert. „Man muss ein Gemüse nicht aussortieren, nur, weil es nicht die perfekte Form hat“, so Fischer weiter, „natürlich muss es gut schmecken und auf dem Teller gut aussehen, aber da muss wirklich auch in der gehobenen Küche ein Umdenken stattfinden.“
Frischer Wind
Durch ihre offene Art revolutioniert sie aber nicht nur die Sterneküche, sondern weicht auch längst veraltete Hierarchien auf und bringt frischen Wind in die Küche. Ihr Team besteht zur Hälfte aus Frauen, zur Hälfte aus Männern. Wobei es Cornelia Fischer wichtig ist, dass „das Geschlechterthema überhaupt keine Rolle spielt, sondern nur das Können“, erzählt sie.
Als Vorbild sieht sie sich aber dennoch nicht gerne. „Ich möchte junge Frauen nicht als Vorbild zu einer Entscheidung beeinflussen, aber wenn der Entschluss, Köchin zu werden schon steht, dann kann ich nur bestärken“, so die gebürtige Würzburgerin. Auch wenn es mal nicht so gut läuft, rät sie: „Nicht aufgeben, weiter kämpfen, denn auch Kartoffeln schälen, Zwiebeln schneiden und die Küche putzen gehören zum ganz normalen Alltag in der Küche – für jeden, nicht nur in der Ausbildung.“

Jedes Gericht ein Hochgenuss
Ihre kulinarischen und persönlichen Ziele für die Zukunft sind genau wie Cornelia Fischer selbst: bewusst bescheiden. „Das Ziel an sich ist, dass jeder Gast jeden Abend bei uns eine schöne Zeit verbringt und glücklich nach Hause geht“, erklärt sie. Erleben kann man ihre außergewöhnlichen Kreationen nicht nur im Restaurant als eines von zwei Menüs, sondern einmal im Monat auch bei dem von ihr kreierten „Chefs Table.“ Dabei wird eine lange Tafel direkt in die Küche gestellt und der Gast ist hautnah bei der Zubereitung seiner Speisen dabei. „Das ist auch für uns ein tolles Erlebnis, weil wir direkt mit dem Gast in Verbindung stehen.“
Der Tegernsee ist für sie zum neuen Zuhause geworden und spielt auch in der Küche eine große Rolle „Nicht nur durch die Produkte, die es hier gibt, sondern mich beeinflusst auch die Gegend sehr.“ In ihrer Freizeit ist sie gerne draußen, geht wandern oder Radfahren und auch das fließt wieder in ihre Arbeit ein. „Dabei entstehen oft neue Ideen für Gerichte.“ Man darf gespannt sein, was in Zukunft alles auf den kunstvollen Tellern landet.
Buchungen Chefs Table oder Tischreservierung
www.althoffcollection.com, info@seehotel-ueberfahrt.de, +49 8022 669 2922
Seeseiten Frühjahr 2026
Mit ihren Augen
Die Tegernseer Illustratorin Katharina Bourjau präsentiert ihren persönlichen Blick auf das Tegernseer Tal.
